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Von zweibeinigen und vierbeinigen Eseln

In meiner ersten „Helvetia auf der Palme“-Kolumne habe ich einen aufdringlichen Beach-Boy als „Esel“ bezeichnet. Das war sehr unfair dem Esel gegenüber.
Esel sind in Ägypten die wohl gutmütigsten und gleichzeitig die bemitleidenswertesten Kreaturen überhaupt.
Tiere im Sinn von Haustieren, wie mit Sheba gefütterte Kätzchen oder sauber getrimmte Königspudel, existieren hier nicht.
Hunde und Katzen leben verwildert auf der Strasse und in Hinterhöfen. Kamele werden als Lastenträger benutzt, oder die Esel ziehen ihre Warenkarren, tagein und tagaus, bei sengender Hitze.
Die Goldfischchen im Aquarium des Dahar Pet-Shops dezimieren sich täglich. Entweder fressen sie sich schon gegenseitig, oder sie sterben an chronischer Wasserverschmutzung in ihrem nassen Zuhause.
Am letzten Sonntag, in Downtown Dahar, dem Stadtteil mit den meisten einheimischen Zuwanderern aus Oberägypten und dem Sudan, wurde ich gleich zweimal Zeugin einer Eselmisshandlung.
Ich machte mich auf den Weg zum Bus, wollte zur Einwanderungsbehörde um mein Jahresvisum zu beantragen, als mich ein Eselkarren überholte. Voll beladen mit Gemüse und riesigen Wassermelonen, hockten zwei Männer zusätzlich auf dem Karren und schlugen unaufhörlich und mit voller Wucht ein dickes Vierkantholz auf den Rücken des Tieres, obwohl dieser schon blutige Striemen hatte.

Mittlerweile habe ich schon begriffen, dass einige Ägypter unzimperlich und lieblos mit Tieren umgehen, doch diese sinnlose Tierquälerei geht mir nicht aus dem Kopf. Das Bild, wie der Esel vorbei trottet und das Vierkantholz immer wieder auf das Tier schlagen und diese Männer dabei lachen.

Am Abend gleiches Bild wieder in Downtown. Vor einem Geschäft für Bettwaren, wiederholt sich die Szenerie. Wieder ein Eselskarren, wieder brutale Schläge mit einem Vierkantholz. Das Erschreckende nur, dass diesmal Kinder auf dem Karren sitzen und den Esel quälen.
Ich lebe sehr gerne in Ägypten und fühle mich von Woche zu Woche heimischer, doch Szenen wie diese verfolgen mich bis in den Schlaf. Das Elend in den Aussenquartieren ist nur schwer zu verdauen, davon bekommen die Touristen nichts zu sehen. Es gibt Tage da ertrage ich es vernachlässigte verschmutze Kinder zu sehen, oder ertrage sogar Ratten, die an einem Tierkadaver nagen. Oder auch Esel, die mit dem Vierkantholz traktiert werden.

Dann gibt es die Tage, wo so etwas nicht möglich ist. Wo ich mich frage, wo nur Geruhsamkeit und Sanftmut, als die viel gerühmten Tugenden der Orientalen geblieben sind. Es gibt sie, die schwierigen Tage an denen mir die momentan gleissende Hitze zu schaffen macht. An denen ich auch die dummen Sprüche der Strassenjungs nicht einfach so locker und nonchalant wegstecken kann. In solchen Momenten schreibe ich dann diese Zeilen und befreie mich davon. Sammle somit auf diese Art neue Energie für meinen ägyptischen Alltag.

 

Ägyptischer Anwalt – Anwalt mit Kompetenz zwischen Abendland und Morgenland

anwaltshammerDiesen Hinweis ausblendenImmer mehr Unternehmen unterhalten Handelsbeziehungen zu Unternehmen in Ägypten. Zudem gibt es auch viele Bürger, die mit einem ägyptischen Staatsbürger verheiratet sind. Auch daraus können sich rechtliche Konsequenzen bzw. Fragen ergeben, insbesondere wenn es ums Familien- und Erbrecht geht.

Die Beauftragung von einem ägyptischen Anwalt hat in diesen Fällen den Vorteil, dass dieser sich auf verschiedenen Gebieten des ägyptischen Rechts auskennt. Schwerpunkte sind dabei entsprechend Themen wie das Ägyptische Handels- und Gesellschaftsrecht, aber auch das Ägyptische Zivilrecht und das Ägyptische Familien- und Erbrecht. Ein ägyptischer Anwalt kennt zudem auch die Gepflogenheiten bzw. Traditionen in seiner Heimat Ägypten und natürlich den Rechtsweg bzw. die Stellen, an denen die entsprechenden Anträge gestellt werden müssen.

So unterstützt ein ägyptischer Anwalt zum Beispiel Unternehmen bei der Erstellung von Handels- und Gesellschaftsverträgen und wenn es um die Firmengründung geht bzw. die Auseinandersetzung mit Gläubigern, ob nun Privatpersonen oder Unternehmen, ist der ägyptische Anwalt stets der kompetente Ansprech- und Verhandlungspartner bzw. Vermittler.

Der Hauptgrund, warum Sie bei möglichen Geschäftsproblemen oder Familienproblemen etc. einen ägyptischen Anwalt zu Rate ziehen und beauftragen sollten, ist zudem auch, dass dieser sich in Fragen des Islamischen Rechts auskennt, zudem auch das ägyptische Familien- und Erbrecht zugeordnet wird. Das heißt sowohl vor dem Abschluss von einem Vertrag mit einem ägyptischen Geschäftspartner bzw. Interessenten und auch vor der Eheschließung mit einem ägyptischen Partner ist eine Konsultation des Anwalts sinnvoll.

Schnelle kompetente Lösung finden über Länder hinweg

Denn nur so können mögliche künftige Konflikte dank der sicheren Kenntnis des Anwalts über die Rechtslage ausgeschlossen werden. Der ägyptische Anwalt ist zudem auch in der Lage bzw. dazu berechtigt seinen Mandanten vor den ägyptischen Behörden zu vertreten, ebenso wie vor einem ägyptischen Gericht. Eine schnelle Bearbeitung bzw. Klärung des Anliegens ist dem ägyptischen Anwalt dabei meist binnen kurzer Zeit möglich, und zwar dank seiner guten Kontakte zu den dortigen Behörden bzw. zu Partnern oder Anwaltskollegen vor Ort.

Gleichzeitig ist der ägyptische Anwalt auch Dolmetscher und Berater für Unternehmen, wenn es um Vertragsverhandlungen geht und auch als Vermittler – sozusagen zwischen Abendland und Morgenland – auch bei strittigen Familienangelegenheiten, wie zum Beispiel dem Sorgerecht für ein Kind aus der Beziehung mit einem ägyptischen Partner. Dank dem ägyptischen Anwalt lässt sich meist schnell für beide Seiten ein zufriedenstellendes Ergebnis erzielen.

Fazit

Der ägyptische Anwalt ist hier im Land ein vollwertiger Anwalt, aber mit der Möglichkeit auch im Ausland für Sie tätig zu werden – sowohl in Familienangelegenheiten, wie auch im unternehmerischen Bereich.

Mehr finden sie hier: http://topanwaltschweiz.ch

El medina fi sahara

„Green Viliage”, klingt verheissungsvoll. Eine grüne, blühende Kleinoase in Makady.
Mit diesen Worten wird eine Wohnanlage ausserhalb von Hurghada angeboten.
Ich bin skeptisch. Erstens weil ich weiss wo Makady liegt – wirklich mitten in der Wüste. Zweitens sehe ich den Sinn nicht, weshalb nun noch mehr Wüstenboden unökologisch zu englischem Rasen umfunktioniert werden soll.

Ramzy, Aymans Freund, begleitet uns auf der Fahrt nach Makady.
Ein einfaches Holzschild weist uns den Weg zu der angeblich so tollen Wohnanlage. Da angekommen, sehen wir acht halbkreisförmig aneinandergebaute Häuschen, die mich an eine Wildwestkulisse aus Karl – May- Filmen erinnern.
Dazu passend, einige verstümmelte Kakteen und ein kleiner Hibiskusbusch .

Einen filmreifen Auftritt liefert auch die Maklerin der Wohnanlage.
Im wallenden, schwarzen Minikleid und schwindelerregend hohen Stöckelschuhen tippelt sie zu uns her.
Ihre Aufmerksamkeit gilt sofort mir. Sie macht mir ein scheinbar nettes Kompliment und erkundigt sich nach meinen Wünschen.
“Asch, isch bin so froh, dass isch deutsch sprechen kann” flötet sie.
Sie sei halb Belgierin, halb Iranerin und froh über jeden deutschsprechenden Kontakt .
Dabei schiebt sie mehrmals ihre Chanel-Sonnenbrille zurecht.

Ihre als luxuriös angepriesenen Wohnungen sind verlottert und vernachlässigt. Der englische Rasen ausgetrocknet und im wasserlosen Swimmingpool tummeln sich die Heuschrecken. Das grossspurige Auftreten der Dame missfällt uns und ich will ihr ein bisschen auf den Zahn fühlen und frage sie nach dem Sinn einer solchen Wohnanlage mitten in der Wüste.
Eine schlüssige Antwort bekomme ich nicht, sie erwähnt Scheich Soundso, der viel Geld in diese Anlage investiert hat, sowie Cafes und Einkaufsmöglichkeiten eingeplant hat. Zielpublikum als Mieter seien Deutsche, Engländer und Russen.

Beim Nachhausefahren macht Ramzy, der bishin sehr ruhig war, seinem Ärger Luft.
“Diese Frau ohne Kleider” (er meint ihren leichtgeschürzten Auftritt) erzählt nur Unsinn.
Man soll die Wüste lassen, wie sie ist.

Er weiss, wovon er redet. Ramzy arbeitete viele Jahre als Trekkingführer in der arabischen Wüste.
Er ist eine Seele von Mensch, dabei bescheiden und stets freundlich. Seine Frau, Hanan, war die erste ägyptische Frau, die ich kennengelernt habe.

Gleich beim ersten Besuch schenkte sie mir ihre Teegläser. An meinem Geburtstag im letzten Sommer überraschte sie mich mit Nylonstrümpfen, bei 46 Grad im Schatten (notabene!). lch revanchiere mich mit Kosmetika aller Art aus der Schweiz.
Übrigens, wir wohnen immer noch in Hurghada, keiner von uns hatte Lust auf „die grüne Stadt” in der Wüste…

Ich bin OK

Alles in Ordnung

„Kullu tämäm, Miss” sagt Alah, der Junge der uns eben fachkundig die Waschmaschine installiert hat. Jetzt nimmt er sich doch ein Stückchen von der Schoggi *, die ich ihm angeboten habe und er strahlt mich an.

Vor dem Geschäft hält ein alter knallroter Pick-up.
Der Fahrer, ein junger Mann aus Oberägypten ist sofort bereit die Waschmaschine gegen ein gutes „Bakschisch” (Trinkgeld) zu uns nach Hause zu fahren.
Ich sitze neben dem Fahrer vorne und die Männer hinten im unbedeckten Laderaum mit der Waschmaschine. Ich schmunzle bei der Vorstellung, wir würden so auf Schweizer Straßen fahren.

An unserer Wohnung angekommen steigen alle aus. Erst da bemerke ich einen Jungen von etwa zwölf Jahren der auch mitgefahren ist. Nachdem die Waschmaschine in Badezimmer ihren Platz gefunden hat, verabschieden sich der Fahrer und der Verkäufer. Der Junge erkundigt sich nach Werkzeug und legt los. Nach einer knappen Stunde ist alles installiert, mit seinen flinken Kinderfingern hat Alah ein Meisterwerk hingelegt.

„Gehst du nicht zur Schule”, frage ich ihn. „Nein, nicht mehr”! – „Ich arbeite jetzt und
ich bin gut, nicht wahr?”, sagt er!
Ich bin begeistert und verblüfft. Auch wenn Alah wahrscheinlich kaum Lesen und Schreiben kann, eine Zukunft hat er in diesem Land. Wer seinem Kinder kein Handwerk beibringt, lehrt ihm das Stehlen heißt ein orientalisches Sprichwort. Um Alah muss ich mir diesbezüglich keine Sorgen machen.

Unsere Zweizimmerwohnung platzt langsam aus allen Nähten. Die Wohnlage ist zwar sehr schön, jedoch haben wir beide einen langen Arbeitsweg. Ich arbeite tagsüber und fahre jeden Tag mit dem alten Klapperbus eine halbe Stunde, oder länger zur Arbeit. Es ist heiß, stickig und unbequem in Bus.
Im Stadteil Sekalla, der Touristenmeile von Hurghada füllt sich der Bus. Jetzt stehen alle die keinen Sitzplatz haben dicht an dicht, wie die Sardinen in der Dose. Ausgerechnet dann immer muss ich aussteigen und mich durch die Männermenge zwängen. Und das alles im fahrenden Bus, der auf und ab wippt.
„Bitte anhalten”, rufe ich. Aber der Busfahrer hört mich nicht und ich muss nochmals rufen. Schließlich hält er an und ich zwänge mich durch die Männermenge. Ich bin froh, endlich wieder festen Boden unter den Füssen zu spüren. Und frische Luft!
Rania hat mir erzählt, dass sie einmal von einem Mann in genau so einer Sardinensituation in den Po gekniffen wurde. Sie fühlte sich derart beschämt und sie erzählte nicht mal ihrem Mann etwas davon.

Beim nächsten Mal, sagte sie mir, würde sie eine Stecknadel aus ihrem Kopftuch nehmen und diesen Mann damit stechen! Muslimischen Frauen halten nämlich ihre Kopftücher mit Hilfe von Stecknadeln zusammen, um zu verhindern dass das Tuch vom Kopf rutscht.
Bis jetzt wurde ich noch nie gekniffen und das, obwohl die Hemmschwelle bei einer weißen Frau wohl geringer ist als bei einer Einheimischen. Über Ranias Wunderwaffe denke ich schon mal nach! Rein prophylaktisch!

Schweiz oder Schweden

„Hello my Friend”, begrüsst mich der alte zahnlose Mann im Geschäft für Damenwäsche. Sofort winkt er eine seiner Töchter zu mir. Sie solle mir die neueste ägyptische Mode zeigen. Mittlerweile kenne ich das kleine Geschäft in Downtown Dahar schon sehr gut. Es liegt gegenüber des grossen Marktplatzes inmitten des ägyptischen Verkehrwirrwarrs. Ich mag es sehr!

Ich wende mich zielstrebig zum Regal mit der „Carina- Wäsche”. Diese ist durchau mit unserem Schweizer Calida* vergleichbar. Im Sortiment von Carina findet die moderne arabische Frau nebst züchtiger Unterwäsche, Rollkragenpullis, armlose Shirts auch sogar gewagtere Teile wie Neckholdertops und Stringtangas!
Alle Modelle in knalligen Farben. Von Orange über Türkis zu Kanariengelb, werde ich schnell fündig. Ein T-Shirt in Türkis und eines in Schwarz gefallen mir.
Der Mann an der Kasse lächelt mich an und fragt mich, ob ich Amerikanerin sei. Nein – ich komme aus der Schweiz, antworte ich. „Oh, yes, Sweden! I like Stockholm and Princess Victoria!

Es kostet mich etwas Mühe dem knorrigen Männchen begreiflich zu machen, dass Schweden und Schweizer wohl optisch durchaus vergleichbar sein mögen. Jedoch geografisch einige tausend Kilometer dazwischen liegen. Ich bezahle meine Ware und verabschiede mich freundlich. Das Männchen ruft mir noch zu, ich solle aufpassen – die gleissende Mittagssonne sei nichts für die helle, skandinavische Haut.

Ich möchte mit dem Bus so schnell wie möglich nach Hause, denn es ist heiss und ich bin hungrig und freue mich auf ein spätes Frühstück. Es ist Sonntag und ich habe meinen freien Tag. Das Überqueren der Strasse ist ein heikles Unterfangen. Da ich eine Kreuzung überqueren muss, kommen sämtliche Gefährte in rasendem Tempo auf mich zu.
Auf Ägyptens Strassen darf sich alles bewegen, was Räder oder Beine hat. Da fahren Taxis hinter Sattelschlepper – hier überholt ein Touristenbus einen Eselkarren, oder ganze Familien brausen auf einer alten Vespa sitzend davon. Dann und wann galoppiert sogar ein Kamel dem Strassenrand entlang.

Heute trage ich flache, weiche Ballerina-Schuhe. Welch ein Glück, so kann ich mich schneller bewegen. Flip-Flops oder gar Stöckelschuhe können zur tödlichen Falle werden. Ägyptens Strassen sind unberechenbar gefährlich. Risse und Schlaglöcher werden nicht gekennzeichnet oder selten repariert. Die Fahrzeuge rasen dicht an dicht, gefolgt mit ohrenbetäubendem Hupen. Die Ägypter lieben es ständig, mit oder ohne Grund zu hupen. Gaspedal und Hupe sind die wichtigsten Teile eines Autos hier.

Jetzt, eine Lücke! Schnell, eilend über die Strasse und in Sicherheit. Aber Achtung! – da ist Gegenverkehr.
Beinahe wäre ich mit einer alten Frau zusammengestossen, welche Eierkarton-Paletten auf dem Kopf balanciert.
Ich habe die Busstation erreicht!
El hamdulliläh!
Gottseidank, wie wir hier sagen. Jetzt sitze ich im Klapperbus und kann mich kurz erholen.
Danach heisst es erneut: Über die Strasse! Die ist jetzt breiter und die Autos fahren dreispurig.
Also, in Startposition und Spurt nach vorn!
Geschafft

Willkommen in Ägypten

Während ich diese ersten Zeilen von E -mail international tippe, komme ich ins Schwitzen. Ich sitze nicht etwa auf dem Balkon in der Sonne, nein, ich sitze in unserer Wohnung auf dem Sofa und es ist heiss! Mein erster Eindruck wieder zurück in Hurghada. Es ist sonnig und heiss. Fünfzehn Stunden am Tag!
Ich brauche noch etwas Zeit um mich anzuklimatisieren. Dies im Sinne der Temperatur, sowie auch kulturell. Ich bin jetzt wieder in Afrika, in der Dritten Welt.

Mein guter Start in Ägypten tut mir körperlich und seelisch gut. Ich bin voller Tatendrang und nehme sogar meinen Arabisch- Unterricht bei Rania wieder in Angriff. Diese Energie überträgt sich auch auf Ayman, der mich tatkräftig unterstützt und uns mit herrlichen orientalischen Köstlichkeiten bekocht!
In der Wohnung ist alles noch da. Allerdings mit einer Sandstaubschicht überzogen, die sich nur mit gründlichem, feuchten Abstauben entfernen lässt. Jetzt heisst es wieder über Nacht die Fenster schliessen, ansonsten sind am anderen Morgen alle Gegenstände vom Kaffeelöffel bis zum Turnschuh mit feinem Saharasand bedeckt. Selbst der leiseste Wind weht Sand durch geöffnete Fenster und durch die Ritzen der Türen.

Meine deutsche Freundin Silvana überrascht mich bereits am zweiten Tag mit einem Besuch im „Hilton Plaza”. Dort ist es möglich gegen eine Eintrittsgebühr den Hotelstrand zu benützen, ohne Hotelgast zu sein.
Wir geniessen diesen Nachmittag am Strand und wagen uns auch ins kristallklare, warme Rote Meer. Am öffentlichen Strand, der eigentlich nur fünf Minuten von meiner Wohnung entfernt ist, wäre Baden und „Sünnele”* kaum denkbar, ohne ständig von Männern belästigt zu werden.
Ausserdem dürften wir da natürlich auch nicht unsere westlichen Badekleider tragen, sondern müssten uns den muslimischen Badesitten anpassen und in langen Tunikas schwimmen. Aber selbst bodenlange Tunikas schützen nicht vor den lästigen Blicken und Bemerkungen der ägyptischen Beach-Boys.
Stellen Sie sich vor, Sie leisten sich einen Nachmittag am Strand und bereits nach einer Stunde werfen Sie entnervt das Handtuch, im wahrsten Sinne des Wortes.

Hat man den Eintritt bezahlt und einen Liegestuhl gefunden der nicht klapprig ist, oder gar Nägel oder Spriessen herausgucken, richtet man sich bequem den strengen Badesitten folgend, wenn man weiblich ist.
Die einzigen die sich nicht daran halten, sind eben diese Beach- Boys. Eine Art organisierte Gruppe die davon lebt, Europäerinnen auszunehmen. Den öffentlichen Badestrand haben wir zwei Frauen im letzten Sommer ausprobiert. Wir bekommen zwei Klapperstühle zugewiesen und setzen uns züchtig hin.

Nach ein paar Minuten scharwänzelt schon der erste um uns herum und fragt in gebrochenem Englisch „woher kommt ihr, was wollt ihr trinken”? Wir reagieren nicht, aber er bleibt hartnäckig da und labert weiter. Ein zweiter und ein dritter kommt noch hinzu, jetzt wird es ungemütlich und ich bediene mich des arabischen Wortschatzes für Schimpförter. Sage ihm laut und bestimmt, „Imschee, ya ibn al himar”! Was soviel heisst wie, verschwinde jetzt du Sohn eines Esels!

Der Esel hat seine Wirkung nicht verfehlt und sie ziehen ab. Aber auch wir zwei Frauen haben genug und gehen hängenden Hauptes wieder nach Hause.
Da fällt mir meine ägyptische Freundin und Arbeitskollegin Rania ein, die eine ganz besondere Technik hat, frechen Männern zu Leibe zu rücken. Nämlich mit einer Stecknadel. Diese Vorstellung amüsiert uns und tröstet uns etwas über den misslungenen Strandnachmittag.

Von der Stecknadel als probates Mittel gegen lästige Männer, erzähle ich Ihnen gerne später mehr!
In den nächsten zwei Tagen plane ich eine vollautomatische Waschmaschine zu kaufen. Ein Luxus hier. Ohne Frage, aber auch eine grosse Erleichterung, meinen stets wachsenden Wäscheberg schonender und ohne grosse Anstrengung zu bewältigen.
Ich stelle mich darauf ein ,dass Kauf und Lieferung sowie die Installation sicher nicht so reibungslos ablaufen wird, wie ich es von der Schweiz gewohnt war.

Inscha’ Allah, wird es schon gut gehen. Erfreulich ist auf jeden Fall der Preis, denn der ist alles andere als schweizerisch.
Eins zu Null für Ägypten!

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* Sünnele = Schweizer Deutsch für Sonnenbaden