Fasten

„Wir sind mitten im Ramadan, dem ödesten, aller öden Monate“!
Dieser Satz stammt nicht etwa von mir, es ist ein Zitat der renommierten holländischen Korrespondentin für Ägypten, Syrien und dem Irak, Betsy Udink.

Wir sind mitten im Ramadan, auch in Hurghada. Mein dritter Ramadan bereits und er verlangt mir jedesmal einiges ab, auch wenn ich nicht faste.
Die Strassen sind tagsüber weniger belebt und auch das Gehupe der unzähligen Autos ist etwas gedämpfter. An manchen Strassenecken bieten Händler spezielle Getränke und Datteln fürs tägliche Fastenbrechen „to go“ an. Es sind untrügliche Zeichen dafür, dass die Muslime fasten.

Das Fasten reinigt den Körper und bringt den Geist näher zu Gott. Der Fastenmonat ist eine der fünf Säulen des Islam. Lebte man in einem spirituellen Umfeld, müsste man nicht für sein tägliches Brot hart arbeiten. Wär es nicht so unerträglich heiss, glaube ich, dass das Fasten vielen etwas leichter fallen würde.
Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auf Essen zu verzichten, schaffe sogar ich.
Jedoch diese vielen Stunden ohne einen Tropfen Wasser, das quält.
Erklärt dies annähernd eine momentane Gereiztheit vieler muslimischer Zeitgenossen, wird dennoch eisern gefastet. Tagsüber auf Halbmast gearbeitet und voll gehungert, wird nach Sonnenuntergang dann endlich gegessen, ja mancherorts sogar regelrecht geschlemmt.

Mit dem ersten Tag des Ramadan wechseln wir auch in die mitteleuropäische Zeitzone. Wir haben jetzt also die gleiche Zeit, bis Europa wieder zur Winterzeit wechselt. Pünktlich zum Ramadan kommt auch etwas feuchtere Luft nach Hurghada, worauf sensiblere Konstitutionen leicht mit Durchfall und grippalen Infekten reagieren.
Mich hat es auch erwischt, die Beschwerden sind zäh, wollen auch bei starker Medikation nicht recht weichen. Die Hitze und das Summen der Klimaanlage, sowie das Rumliegen im Bett macht mich mürbe und zunehmend gereizter. Ich sehne mich nach einem reinigenden, kühlenden Gewitter!
Nach ein paar Tagen bin ich wieder auf dem Damm, gehe wieder arbeiten.
Als wäre ich Wochen weg gewesen, werde ich im Hotel mit einem grossen Hallo begrüsst. Das freut mich! Allerdings ist die Klimaanlage bei mir im Kindergarten kaputt und die Hitze drinnen mörderisch. Ich frage nach dem Hausmechaniker, der kommt leider erst drei Tage später und bringt die Anlage in Ordnung.

Mister Ashraf, unser Chefhausmeister, schaut wie jeden Tag kurz bei mir im Kindergarten vorbei und will wissen, ob alles rechtens ist.
„Okay Miss Chantal ! “ I’m going to have my breakfast now“, verabschiedet er sich.
Ich werde stutzig und denke es ist doch Fastenzeit. Darauf angesprochen meint er lächelnd, „Not for me, Im a Christian¨!

Wir haben Ramadan geschafft. Ein kollektives Aufatmen geht durchs Land. Bewunderung für die tapferen Faster. Ein Schulterklopfen aber auch für alle anderen, die geduldig und tolerant vier Wochen Ausnahmezustand mitgetragen haben!