Wasser marsch!
Sicher kennen Sie diese Situation aus Slapstick-Filmen: Man steht von Kopf bis Fuss schäumend eingeseift unter der Dusche, als gerade, völlig unerwartet, kein Wasser mehr kommt. Der Seifenschaum brennt in den Augen, ungläubig wird die Duschbrause auf und ab geschüttelt, in der Hoffnung, doch noch ein Tröpfchen zu ergattern. Doch nein, die Quelle ist versiegt…
Letzten Sonntagmorgen ist mir das passiert und hat mir wieder einmal mehr gezeigt, wie unselbstverständlich es im Land der Pharaonen ist, ohne Einschränkung fliessendes Wasser zu bekommen.
Wasser ist ein kostbares Gut, Wasser ist flüssiges Gold, ein einem Land, das aus 90 Prozent Wüste besteht, sowieso. Ich bemühe mich sehr, im Alltag sparsam und vernünftig mit dem Wasser umzugehen. Wäsche wird mit der Wasserspartaste gewaschen, während des Zähneputzens läuft kein unnötiges Wasser, beim Geschirrspülen werden die Utensilien auch unter einem schwachen Wasserstrahl sauber, es braucht keinen plätschernden Wasserfall dazu.
Zurück zum letzten Sonntag beim Duschen: Auf einmal ging nichts mehr, obwohl der Wassertank am Vorabend noch prall gefüllt war . „Dann muss es am Kompressor liegen“, dachte ich laut, während ich versuchte, Schaum aus meinen Ohren zu puhlen.
Die Wasservorräte des Landes stammen aus dem Nil. Durch kilometerlangen Rohre, die mitten durch die arabische Wüste führen, wird das Nilwasser in die Städte gepumpt und in Tanks gelagert. Zisternenlastwagen befüllen die „unterirdischen „Wassertanks der Wohnhäuser, der hauseigene Kompressor befördert das Wasser schliesslich rauf in die Tanks auf dem Hausdach. Unser Hausmeister Omar ist dafür verantwortlich, dass der Wassertank immer schön gefüllt ist, was in der Regel auch prima klappt.
„ Dann muss es am Kompressor“ liegen.
Ja, er war der Übeltäter, hatte plötzlich, ohne Vorwarnung einfach seinen Geist aufgegeben. Jetzt half alles Jammern und Murren nichts. Es blieb mir nichts anderes übrig, als aus der Dusche zu steigen und in ein Strandtuch gehüllt zu warten, bis die Pumpe wieder lief. Das könnte dauern… Zum Glück passierte das an einem Sonntag, unter der Woche, wenn es morgens zack- zack gehen muss, wäre dieser Vorfall alles andere als erfreulich gewesen…
Eine Stunde und einen Cappucchino später hiess es wieder „Wasser marsch“! Omar hatte es geschafft, den Kompressor in Gang zu bringen, ächzend und ratternd katapultiert die Pumpe nun wieder Wasser in den Dachtank, ich kann mir endlich den mittlerweile eingetrockneten Schaum vom Körper schrubben!
Seither horche ich mit grösster Aufmerksamkeit auf das Geräusch der Wasserpumpe ,genug Duschen- Slapstick für eine Weile!
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