Kullu tämäm -Alles in Ordnung

„Kullu tämäm, Miss" sagt Alah, der Junge der uns eben fachkundig die Waschmaschine installiert hat. Jetzt nimmt er sich doch ein Stückchen von der Schoggi *, die ich ihm angeboten habe und er strahlt mich an.

Vor dem Geschäft hält ein alter knallroter Pick-up.
Der Fahrer, ein junger Mann aus Oberägypten ist sofort bereit die Waschmaschine gegen ein gutes „Bakschisch" (Trinkgeld) zu uns nach Hause zu fahren.
Ich sitze neben dem Fahrer vorne und die Männer hinten im unbedeckten Laderaum mit der Waschmaschine. Ich schmunzle bei der Vorstellung, wir würden so auf Schweizer Straßen fahren.

An unserer Wohnung angekommen steigen alle aus. Erst da bemerke ich einen Jungen von etwa zwölf Jahren der auch mitgefahren ist. Nachdem die Waschmaschine in Badezimmer ihren Platz gefunden hat, verabschieden sich der Fahrer und der Verkäufer. Der Junge erkundigt sich nach Werkzeug und legt los. Nach einer knappen Stunde ist alles installiert, mit seinen flinken Kinderfingern hat Alah ein Meisterwerk hingelegt.

„Gehst du nicht zur Schule", frage ich ihn. „Nein, nicht mehr"! - „Ich arbeite jetzt und
ich bin gut, nicht wahr?", sagt er!
Ich bin begeistert und verblüfft. Auch wenn Alah wahrscheinlich kaum Lesen und Schreiben kann, eine Zukunft hat er in diesem Land. Wer seinem Kinder kein Handwerk beibringt, lehrt ihm das Stehlen heißt ein orientalisches Sprichwort. Um Alah muss ich mir diesbezüglich keine Sorgen machen.

Unsere Zweizimmerwohnung platzt langsam aus allen Nähten. Die Wohnlage ist zwar sehr schön, jedoch haben wir beide einen langen Arbeitsweg. Ich arbeite tagsüber und fahre jeden Tag mit dem alten Klapperbus eine halbe Stunde, oder länger zur Arbeit. Es ist heiß, stickig und unbequem in Bus.
Im Stadteil Sekalla, der Touristenmeile von Hurghada füllt sich der Bus. Jetzt stehen alle die keinen Sitzplatz haben dicht an dicht, wie die Sardinen in der Dose. Ausgerechnet dann immer muss ich aussteigen und mich durch die Männermenge zwängen. Und das alles im fahrenden Bus, der auf und ab wippt.
„Bitte anhalten", rufe ich. Aber der Busfahrer hört mich nicht und ich muss nochmals rufen. Schließlich hält er an und ich zwänge mich durch die Männermenge. Ich bin froh, endlich wieder festen Boden unter den Füssen zu spüren. Und frische Luft!
Rania hat mir erzählt, dass sie einmal von einem Mann in genau so einer Sardinensituation in den Po gekniffen wurde. Sie fühlte sich derart beschämt und sie erzählte nicht mal ihrem Mann etwas davon.

Beim nächsten Mal, sagte sie mir, würde sie eine Stecknadel aus ihrem Kopftuch nehmen und diesen Mann damit stechen! Muslimischen Frauen halten nämlich ihre Kopftücher mit Hilfe von Stecknadeln zusammen, um zu verhindern dass das Tuch vom Kopf rutscht.
Bis jetzt wurde ich noch nie gekniffen und das, obwohl die Hemmschwelle bei einer weißen Frau wohl geringer ist als bei einer Einheimischen. Über Ranias Wunderwaffe denke ich schon mal nach! Rein prophylaktisch!

____________________

* Schoggi = Schweizerdeutsch für Schokolade








Fotos können durch Mausklick vergrößert werden !

Design & copyright © by H.G.M.