Ahlan fi masr - Willkommen in Ägypten

Während ich diese ersten Zeilen von E -mail international tippe, komme ich ins Schwitzen. Ich sitze nicht etwa auf dem Balkon in der Sonne, nein, ich sitze in unserer Wohnung auf dem Sofa und es ist heiss! Mein erster Eindruck wieder zurück in Hurghada. Es ist sonnig und heiss. Fünfzehn Stunden am Tag!
Ich brauche noch etwas Zeit um mich anzuklimatisieren. Dies im Sinne der Temperatur, sowie auch kulturell. Ich bin jetzt wieder in Afrika, in der Dritten Welt.

Mein guter Start in Ägypten tut mir körperlich und seelisch gut. Ich bin voller Tatendrang und nehme sogar meinen Arabisch- Unterricht bei Rania wieder in Angriff. Diese Energie überträgt sich auch auf Ayman, der mich tatkräftig unterstützt und uns mit herrlichen orientalischen Köstlichkeiten bekocht!
In der Wohnung ist alles noch da. Allerdings mit einer Sandstaubschicht überzogen, die sich nur mit gründlichem, feuchten Abstauben entfernen lässt. Jetzt heisst es wieder über Nacht die Fenster schliessen, ansonsten sind am anderen Morgen alle Gegenstände vom Kaffeelöffel bis zum Turnschuh mit feinem Saharasand bedeckt. Selbst der leiseste Wind weht Sand durch geöffnete Fenster und durch die Ritzen der Türen.

Meine deutsche Freundin Silvana überrascht mich bereits am zweiten Tag mit einem Besuch im „Hilton Plaza". Dort ist es möglich gegen eine Eintrittsgebühr den Hotelstrand zu benützen, ohne Hotelgast zu sein.
Wir geniessen diesen Nachmittag am Strand und wagen uns auch ins kristallklare, warme Rote Meer. Am öffentlichen Strand, der eigentlich nur fünf Minuten von meiner Wohnung entfernt ist, wäre Baden und „Sünnele"* kaum denkbar, ohne ständig von Männern belästigt zu werden.
Ausserdem dürften wir da natürlich auch nicht unsere westlichen Badekleider tragen, sondern müssten uns den muslimischen Badesitten anpassen und in langen Tunikas schwimmen. Aber selbst bodenlange Tunikas schützen nicht vor den lästigen Blicken und Bemerkungen der ägyptischen Beach-Boys.
Stellen Sie sich vor, Sie leisten sich einen Nachmittag am Strand und bereits nach einer Stunde werfen Sie entnervt das Handtuch, im wahrsten Sinne des Wortes.

Hat man den Eintritt bezahlt und einen Liegestuhl gefunden der nicht klapprig ist, oder gar Nägel oder Spriessen herausgucken, richtet man sich bequem den strengen Badesitten folgend, wenn man weiblich ist.
Die einzigen die sich nicht daran halten, sind eben diese Beach- Boys. Eine Art organisierte Gruppe die davon lebt, Europäerinnen auszunehmen. Den öffentlichen Badestrand haben wir zwei Frauen im letzten Sommer ausprobiert. Wir bekommen zwei Klapperstühle zugewiesen und setzen uns züchtig hin.

Nach ein paar Minuten scharwänzelt schon der erste um uns herum und fragt in gebrochenem Englisch „woher kommt ihr, was wollt ihr trinken"? Wir reagieren nicht, aber er bleibt hartnäckig da und labert weiter. Ein zweiter und ein dritter kommt noch hinzu, jetzt wird es ungemütlich und ich bediene mich des arabischen Wortschatzes für Schimpförter. Sage ihm laut und bestimmt, „Imschee, ya ibn al himar"! Was soviel heisst wie, verschwinde jetzt du Sohn eines Esels!

Der Esel hat seine Wirkung nicht verfehlt und sie ziehen ab. Aber auch wir zwei Frauen haben genug und gehen hängenden Hauptes wieder nach Hause.
Da fällt mir meine ägyptische Freundin und Arbeitskollegin Rania ein, die eine ganz besondere Technik hat, frechen Männern zu Leibe zu rücken. Nämlich mit einer Stecknadel. Diese Vorstellung amüsiert uns und tröstet uns etwas über den misslungenen Strandnachmittag.

Von der Stecknadel als probates Mittel gegen lästige Männer, erzähle ich Ihnen gerne später mehr!
In den nächsten zwei Tagen plane ich eine vollautomatische Waschmaschine zu kaufen. Ein Luxus hier. Ohne Frage, aber auch eine grosse Erleichterung, meinen stets wachsenden Wäscheberg schonender und ohne grosse Anstrengung zu bewältigen.
Ich stelle mich darauf ein ,dass Kauf und Lieferung sowie die Installation sicher nicht so reibungslos ablaufen wird, wie ich es von der Schweiz gewohnt war.

Inscha' Allah, wird es schon gut gehen. Erfreulich ist auf jeden Fall der Preis, denn der ist alles andere als schweizerisch.
Eins zu Null für Ägypten!

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* Sünnele = Schweizer Deutsch für Sonnenbaden








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