Kairo – die Mutter der Welt

“Wer Kairo nicht gesehen hat, hat die Welt nicht gesehen.
Erde wie Gold, der Nil ein Wunder, die Frauen wie die mandeläugigen Jungfrauen im Paradies, die Häuser wie Paläste, die Luft ist zart und weich duftend wie Jasmin. Wie könnte Kairo denn anders sein, ist es doch die Mutter der Welt”.
So stand es immer wieder in den Geschichten von “Tausend und einer Nacht”.
Vor 1001 Nacht muss es wohl so gewesen sein !

Kairo hat immer schon die Phantasien aller Berichterstatter beflügelt. Magisch und fantastisch durch übertriebene Legenden, die nur mit der Mutter der Welt verbunden sind.
Der Basar Khan-el-Khalili erfüllt diese einstigen Erwartungen nur wenig. Händler haben sich schon lange auf die Touristen eingestellt. Trotzdem herrscht aber immer noch eine typisch arabische Atmosphäre. Aber nur noch fast wie vor 600 Jahren als dieser Markt, einer von über 40 Märkten in Kairo, entstand.

Der Handel mit Gewürzen hatte Kairo einst sehr reich gemacht. Die Saga führt das auf eine göttliche Herkunft aller Gewürze zurück. Sie sollen ganz einfach vom Paradies aus auf die Bäume gefallen sein, dann vom Nil fortgeschwämmt und aller Orts in Ägypten gestrandet, bzw. geufert sein. So kommen die Veredler der Speisen selbstverständlich direkt aus dem Reich Allahs. Vor der “Ibn Tulun-Moschee”, berichtete eine weitere Legende; fand sich jede Nacht die Familie des Propheten ein. Sie klärten hier die Angelegenheiten Ägyptens und trafen wichtige Entscheidungen, die sie dann den Regierenden des Landes einflüsterten und für glaubwürdig erklären ließen.

Menschen und Tiere waren nirgends in der Moschee abgebildet. Das Gestalten von Lebewesen ist nur Allah gestattet und so begnügen sich die Künstler mit einer phantasievollen Gestaltung von Pflanzenmotiven und Arkaden mit Ornamenten, oder mit kalligrafischen Schriftzeichen aus dem Koran.
Die Zinnen über der Außenmauer der Moschee wirken wie eine lange Menschenkette verbunden im Glauben.
Ein Heer von gläubigen Muslimen, die sich wie eine geschlossene Wand den Ungläubigen entgegenstellt.
Und dahinter irgendwo im Osten, das ferne Bagdad. Von dort kam Ibn Tulun 870 nach Kairo und von da aus wurde Ägypten regiert. Von den direkten Erbfolgern Mohammeds, den Abbasiden, streng nach den Regeln des Korans. In den Häusern waren die reichen Frauen hinter den Maschrabijas, den vorspringenden Gitterfenstern ihres Hauses oder Palastes. Von diesen handwerklich kunstvoll gedrechselten Erkern aus, konnten sie die Straße beobachten und blieben dabei selbst unbemerkt.

Das Bab-el-Futuh ist eines von sechzig Stadttoren, die 100 Jahre nach der Gründung Kairos, um 1080 gebaut wurden.
Die Stadt sollte befestigt werden, um den Sultan gegen befürchtete Aufstände zu beschützen.
‘Die bewachte Stadt’ wurde Kairo damals genannt. Ohne Erlaubnis durfte kein Pferdewagen das Tor passieren. Die Bürger konnten Kairo nur mit Passierschein betreten.
Oben auf dem Tor findet man Zeichen einer noch älteren Vergangenheit. Beim Bau der massiven Türme und dicken Mauern, plünderte man sogar die heiligen Stätten der ‘Alten Ägypter’.
Im 14. Jahrhundert erlebte Kairo ein Goldenes Zeitalter. Zur Zeit der regierenden Mamlûken waren die Händler reich und die Sultane hatten hohe Einnahmen. Die Märkte waren überschwemmt von Erzeugnissen aller Art.
Plötzlich aber hielt die Stadt in ihrer Entwicklung inne. Anarchie und Rechtlosigkeit machten sich breit.

Eine weitere Legende erzählt, der Sultan habe nach Vollendung des Baus dem Architekten die Hand abgeschlagen, damit er nicht noch eine weitere, ähnliche zeichnen könne. In der Mitte des Hofes steht der Brunnen für die Waschungen. Die meisten Gotteshäuser in der Mamlûken-Zeit wurden als sogenannte 4-Iwan-Moscheen entworfen.
Um einen quadratischen Innenhof liegen kreuzförmig vier nach vorne offene Hallen. Der Moschee war eine Schule angegliedert, die sogenannte Madrasa. In den Iwanen und um das Brunnenhaus herum saßen oft Studenten der vier orthodoxen Rechtsschulen mit ihren Lehrern und diskutierten über den Koran und seine Auslegung. Heute dienen die riesigen Hallen nur noch als Gebetsräume.

Hunderte von Ketten hängen von der Decke.
An ihnen befestigt sind kunstvoll gefertigte emaillierte Öllampen. In dem 40 Meter hohen Haupt-Iwan ist noch die ungewöhnlich große, marmorne Gebetstribüne erhalten. Oberhalb der Gebetsnische sind Suren aus dem Koran verewigt. Die kufischen Lettern auf dem kunstvoll gearbeiteten Arabeskengrund sind direkt in Gips geschnitten. Sultan Hassan selbst bekam seine Moschee und ihre meisterhafte Ausstattung nie vor Augen. Er wurde noch vor der Vollendung des Baus im Jahre 1361 ermordet.

Wie er haben sich eine Vielzahl der verstorbenen Mamelûken-Herrscher schon vor ihrem Tod prachtvolle Grabmoscheen in den Totenstädten der Mamelûken errichtet.
Der Hôsch al-Pascha, die Grabstätte der Familie des Paschas Mohammed Ali, gehört zu den prachtvollsten. Hier sollen, einem Gerücht zufolge, die Opfer eines gemeinen politischen Mordes liegen.
Mohammed Ali hatte die edelsten Feudalherren Kairos zu einem Gastmahl eingeladen, um die mißliebigen Edelleute aus dem Weg zu räumen, ließ er sie nach dem Essen kaltblütig ermorden und sie später hier in seiner eigenen Familiengruft begraben.

Die Totenstädte von Kairo mit ihren Kuppeln und Minaretten sind einzigartig in den islamischen Ländern. Sie sind typisch ägyptisch und ihre Entstehung geht auf altägyptische Totenbräuche zurück, die sich bis heute erhalten haben. Große und kleine, einige neuere, aber viele alte Moscheen gibt es im islamischen Kairo. Sie füllen sich fünfmal am Tag, zu den Gebetszeiten.

Als der weitgereiste arabische Gelehrte Ibn Chaldun die ägyptische Hauptstadt im 14. Jahrhundert besuchte, erschien sie ihm anders als alle anderen Städte. Er nannte Kairo die “Heilige Stadt des Islam, den Garten des Universums, die Metropole der Welt.”

Also, – “Wer Kairo nicht gesehen hat, hat die Welt nicht gesehen.” – Hat die “Mutter der Welt” nicht gesehen !
Eine Mutter die in die Jahre gekommen ist, im innern stark altert, aber ständig nach Face-Lifting sucht, weil sie immer dicker wird.
Typisch ägyptisch !