Madame?

In Hurghada wimmelt es von Taxis. Man erkennt sie sofort an der orange-blauen Lackierung und natürlich am haarsträubenden Tempo. Sie sind praktisch Tag und Nacht verfügbar und im Alltag eine grosse Hilfe, wenn man die Spielregeln beachtet.

Zwei wichtige Regeln hat der Taxi-Neuling zu beachten: Erstens, verlange den Taxometer, Arabisch „el eldäed“, oder vereinbare einen fixen Preis. Zweitens, setze dich immer hinten ins Taxi (besonders empfehlenswert für Frauen!)
So, jetzt geht’s entweder gemächlich mit „Habibi-Musik“ (so nenne ich die typisch arabische Liebesliedträllerei) Richtung Innenstadt- oder Sie schnallen sich an zur Höllenfahrt mit dem Kamikaze- Kommando.

Meine erste und bisher einzige Höllenfahrt hatte ich an einem Samstagabend, nach einer Team- Sitzung in Sekala. Nichts Böses ahnend stieg ich in ein Taxi, das mich nach Dahar bringen sollte. Sofort bemerkte ich die äusserst schlechte Laune des Taxifahrers. Am Preis kann es ja wohl nicht liegen, dachte ich mir, der ist grosszügig.
Der Taxifahrer schleudert sein Gefährt durch die engen Seitenstrassen Sekallas, ich wundere mich, das wir nicht eine Spur der Verwüstung, totgefahrene Ziegen, zerschellte Tontöpfe, kullerndes Obst, oder ähnliches zurücklassen.

Ich klammere mich an den Haltebügel, nehme meine Handtasche auf den Schoss. Weiter geht’s, er legt noch einen Zacken zu, jetzt werde ich ängstlich, sage vorsichtig „baraha, baraha,“ langsam, langsam. Er reagiert nicht, drückt weiter in die Pedale.

Sein Mobiltelefon läutet, er nimmt selbstverständlich ab. Ein hitziges Gespräch. Ich verstehe nur Wortfetzen, aber die haben es in sich. Er streitet heftigst mit seinem Bruder – er schreit ihn an und der Bruder schreit hörbar durch das Telefon zurück. Jetzt bin ich nicht nur ängstlich, jetzt bin ich wirklich beunruhigt. Wahrscheinlich hat der Bolide-Pilot vergessen, dass er einen Fahrgast hat, der bibbernd auf dem Rücksitz hockt. Er drischt weiter durch das nächtliche Hurghada die wüstesten Beschimpfungen in sein Telefon brüllend.

Nach einer gefühlten Unendlichkeit ist das Telefongespräch beendet und sein Fuss kommt ein bisschen vom Gaspedal runter. Ich bin bald zu Hause. Der Fahrer atmet immer noch heftig, wirkt aber ruhiger.

Jetzt bin ich froh, zu Hause zu sein. Verschwitzt betrete ich die Wohnung. „Was ist denn mit dir passiert,“ fragt mich Ayman.